Jemand, der jemand anderem ähnelt

2025/3/26

Jemand, der jemand anderem ähneltBilder

Zusammenfassung

Nachdem Frau Westermann am Morgen im Krankenhaus ein leichtes Magengeschwür diagnostiziert worden war, machte sie sich mit einem schweren Herzen auf den Heimweg. Ihre Schritte führten sie beinahe zufällig in das Café „Sampptom“, dessen ungewöhnliches Aushängeschild sie magisch anzog. Kaum hatte sie den Laden betreten, entdeckte sie hinter der Theke einen Mann, der ihrem im Ausland tätigen Kollegen zum Verwechseln ähnlich sah und sie freundlich anlächelte. Wenige Augenblicke nach ihrem Verlassen des Cafés erreichte sie die Nachricht, dass dieser Kollege plötzlich verstorben war.

Einige Tage später, die bedrückende Stimmung noch in ihrem Inneren tragend, kehrte sie in das Café „Sampptom“ zurück – dort begegnete ihr diesmal ein Cousin, dessen Gesichtszüge sie seit ihrer Kindheit vertraut erschienen. Obwohl sie sich mit einem warmen Lächeln begrüßten, erreichte sie kurze Zeit später erneut die Nachricht eines schockierenden Ereignisses. Während all ihre vertrauten Bekannten nach und nach ihr Leben verloren, senkte sich ein dunkler Schatten in ihrem Herzen.

Bald darauf entdeckte sie ihren ehemaligen Professor, der still in einer Ecke des Cafés verweilte. Das warme Lächeln, mit dem er einst alte Geschichten zum Leben erweckte, war nach einem flüchtigen Wiedersehen ebenso plötzlich verschwunden, sodass nur noch ein leises Gerücht in ihren Ohren nachhallte. Zwischen Angst und Neugier fasste Frau Westermann den Entschluss, das im Café „Sampptom“ lauernde Geheimnis zu ergründen.

An einem weiteren Abend, als sie das Café erneut aufsuchte, stand sie in einem schwachen, fast gespenstischen Licht vor einem alten, staubigen Spiegel im hinteren Teil des Ladens. Im Spiegel bildeten sich die Gesichter all jener, denen sie begegnet war, zu einem einzigen, überlappenden Bild. Mit einem Schock erkannte sie, dass es sich bei diesen Erscheinungen nicht um fremde Menschen handelte, sondern um Abbildungen ihrer eigenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – um ihre persönlichen Doppelgänger. Das Café „Sampptom“ entpuppte sich als geisterhafte Pforte zwischen Tod und Wiedergeburt, die das verborgene Schicksal in ihrem Inneren widerspiegelte.

Der unerwartete Schluss: Alle Begegnungen waren traurige Botschaften, die ihr eigenes Ende vorhersagten. Im letzten Moment, als ihr Spiegelbild lächelnd zu ihr sprach, flüsterte Frau Westermann: „Vielleicht war ich schon längst tot.“ Mit diesen Worten verschmolz sie allmählich mit dem Zwischenreich von Realität und Illusion und verlor sich langsam im Nichts.


Insgesamt: 50 Geschichten


Fabeln

Erzählungen

Relevanz

© 2025 Neue Interpretation von Geschichten | All Rights Reserved.